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Regenschirm im Regenbogenfarben

Im Segen wird den Menschen zugesprochen: Du bist beschirmt und beschützt.

Bild: pixabay/chunchun

Segen

Behütet und beschützt

„Das Wichtigste in der Kirche ist der Segen“, da ist sich Petra Siebert sicher.

Wenn die 48-Jährige sonntags in den Gottesdienst geht, dann nimmt sie besonders die letzten Worte der Pfarrerin mit: „Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“

kleines Segenswörterbuch

Oft ist uns gar nicht bewusst, wie stark der Segen in unseren Sprachgebrauch eingeflossen ist. Besonders beim Grüßen und Verabschieden, aber auch bei Mahlzeiten ist der Segen in aller Mund – ohne dass wir es wissen. Hier eine kleine Zusammenstellung:

Grüß Gott – verkürzt für „Gott grüße, Gott segne Dich“
Tschüss, Adieu, Ade, adios – „Gott befohlen“ „Geh mit Gott“
Pfüat di –  „Behüt Dich Gott“
Mahlzeit  – Gesegnete Mahlzeit

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Das kann man sich nicht oft genug zusprechen lassen, findet die Mutter von drei heranwachsenden Söhnen. Denn: „Eines habe ich bei meinen Kindern gelernt: Ich kann ihnen manche Wege ebnen und sie vor einigen Fehlern bewahren. Das meiste aber habe ich nicht in der Hand. Da braucht es Gottes Segen.“

Mit dieser Haltung ist Petra Siebert nicht allein. Viele Menschen haben in ihrem Leben erfahren: Bei aller Familien- und Karriereplanung, ich kann nicht machen, dass mein Leben gelingt. Bei aller Vorsorge und allem Besitz – es gibt so vieles, das ich mir nicht kaufen kann: eine glückliche Beziehung, liebevolle Kinder, Gesundheit oder gute Freunde.

Gottes liebevolle Zuwendung

Christen bekennen: All das ist ein Geschenk Gottes. Langes Leben, Familie, fruchtbares Land, der Erfolg einer Arbeit, auch Wohlstand gehören von Alters her zum Segen Gottes. Kinder sind ein Segen Gottes, und Menschen können einander zum Segen werden.

Im Segen wendet sich Gott den Menschen freundlich und liebevoll zu. Dieser erfährt die Zusage: „Gott behütet dich. Er geht mit dir und bleibt bei dir - auch wenn Du es nicht siehst. Der Segen erinnert an Gottes Verlässlichkeit.“ Er verspricht Gottes Nähe auch in leidvollen Erfahrungen.

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Segen an Übergängen des Lebens

Christliche Gottesdienste sind an vielen Stellen von gesprochenen oder gesungenen Segensworten durchzogen. An entscheidenden Wendepunkten des Lebens (Einschulung, beim Erwachsenwerden, der Geburt eines Kindes oder der Eheschließung), wird Menschen in Trauung, Taufe, Konfirmation, und anderen Segensfeiern die Begleitung Gottes individuell zugesprochen.

Auch in Segnungsgottesdiensten können Menschen Gottes Schutz und Beistand persönlich zugesagt bekommen. Oft werden kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Stellenantritt für ihren Dienst in der Kirche/an den Menschen gesegnet.

Möge dein Weg dir freundlich entgegenkommen, möge der Wind dir den Rücken stärken. Möge die Sonne dein Gesicht erhellen und der Regen um dich her die Felder tränken. Und bis wir beide, du und ich, uns wieder sehen, möge Gott dich schützend in seiner Hand halten.
Aus Irland

Den Weg des Friedens führe uns der allmächtige und barmherzige Herr. Sein Engel geleite uns auf dem Weg, dass wir wohlbehalten heimkehren in Frieden und Freude. Auf deinen Wegen behüte dich Gott. Gott gebe dir offene Augen für die Wunder an deinem Wegrand, Ohren für die Grillen, für den Wind und für die Stille, ein offenes Herz für die Menschen, die dir begegnen. Gott gebe dir Heiterkeit, ein Lachen, das wärmt, und eine wache Erinnerung für all das Gute, das er dir schenkt. Gott lasse dich sicher ziehen und in Frieden heimkehren.

Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen. Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen. Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen. Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst, und dich aus der Schlinge zu ziehen. Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist. Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen. Der Herr sei über dir, um dich zu segnen. So segne dich der gütige Gott.

Herr, segne meinen ersten Tag und den letzten Tag. Segne die Stunden, die Du mir schenkst. Was ich berühre, was ich höre, was ich sehe, was ich rede, soll gesegnet sein. Herr, halte mich in Deinen Händen, Deinen Ohren, Deinen Augen, Deinem Herz. An diesem Tag und alle Tage meines Lebens.

Der Herr segne dich: Er erfülle deine Füße mit Tanz und deine Arme mit Kraft. Er erfülle dein Herz mit Zärtlichkeit und deine Augen mit Lachen. Er erfülle deine Ohren mit Musik und deine Nase mit Wohlgerüchen. Er erfülle deinen Mund mit Jubel und dein Herz mit Freude. Er schenke dir immer neu die Gnade der Wüste: stille, frisches Wasser und neue Hoffnung. Er gebe uns allen immer neu die Kraft, der Hoffnung ein Gesicht zu geben. ES SEGNE DICH DER HERR. (aus Zaire)

Es segne dich Gott, der Vater, der dich nach seinem Bild geschaffen hat. Es segne dich Gott, der Sohn, der dich durch sein Leiden und Sterben erlöst hat. Es segne dich Gott, der Heilige Geist, der dich zum Leben gerufen und geheiligt hat. Gott der Vater und der Sohn und der Heilige Geist geleite dich durch das Dunkel des Todes in sein Licht. Er sei dir gnädig im Gericht und gebe dir Frieden und ewiges Leben.

„Der Herr behüte deinen Eingang und Ausgang von nun an bis in Ewigkeit.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. (Philipper 4,7)

„Gott sei uns gnädig und segne uns, er lasse uns sein Antlitz leuchten.“ Ps 67,2

Heide Warkentin (Hg.)

Cover des Buches Heide Warkentin (Hg.): Gipfelgebete. Gebete und Segenstexte zum Wandern in den Bergen

Gipfelgebete. Gebete und Segenstexte zum Wandern in den Bergen

Bestellinformation:

Claudius Verlag
ISBN 978-3-532-62446-3

Ein Segenswort mit auf den Schulweg

Aber nicht nur im Gottesdienst hat der Segen seinen Platz. Kranke oder sterbende Menschen empfangen Gottes Segen für ihre Leidenszeit. Vor Reisen oder schweren Aufgaben bitten Menschen um Gottes Segen. Eltern legen ihren Kindern vor dem Schlafengehen die Hand auf die Stirn und sagen: „Gott segne Dich!“

Jahrelang hat Petra Siebert ihre Kinder mit einem Segenswort und einem Kreuzzeichen auf den Schulweg geschickt. Nun sind sie zu groß dafür. „Aber ich bin mir sicher, sie sind von Gott gesegnet.“ Denn die Mutter weiß: „Ich spreche nur den Segen. Wirken tut ihn ein ganz anderer. Gott segnet durch mich.“

Segen macht Mut

Gerade in schwierigen Zeiten habe ihr der Segen Mut gegeben, berichtet Petra Siebert. „Es ist nicht alles gut geworden. Aber der Segen hat mir gezeigt: Gott ist treu. Er ist mächtiger als der ganze Mist, mit dem ich zu kämpfen habe. Er wird mich auch vor dem Schlimmsten schützen.“

22.12.2020
Anne Lüters

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